Naturpark Sierra de Las Villas

Schmetterlinge im Naturpark
Sierras de Cazorla Segura y Las Villas



Unter den Insekten nehmen die Schmetterlinge unbestritten eine besondere Stellung ein.
Eine komplette Liste aller Schmetterlinge im Naturpark Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas
aufzustellen, wäre eine Lebensaufgabe und würde den Rahmen unserer Website sprengen ...



Osterluzei-Falter zerynthia rumina
Osterluzei-Falter
Zerynthia rumina


... denn dazu sind es einfach zu viele. So manche Art, die Sie in Mitteleuropa lange, und oft vergeblich, suchen müssen, schwirrt hier noch in Geschwaderstärke - und einige davon ganzjährig in mehreren Generationen und ohne richtigen Winterschlaf. Bei Sauwetter wird zwar pausiert, aber sobald die Sonne scheint, sind auch die Falter wieder unterwegs. Einige jedenfalls.

Die Sierra Cazorla, Segura y Las Villas ist ein wahres Eldorado für alle Schmetterlings-Fans, ganz besonders natürlich im Frühling und im Sommer ...

denn bei uns fliegen sie richtig


Bekanntlich ist das Vorkommen unserer Schmetterlinge an bestimmte Pflanzen gebunden, die den Raupen als Futterpflanzen dienen. Kein Wunder also, dass in der üppigen Vegetation des Naturparks neben einem Milliardenheer anderer Insekten auch die Schmetterlinge reichlich präsent sind.

Als alte Schmetterlings-Freaks haben wir am Adlernest noch etwas "nachgeholfen" und ein paar zusätzliche Nahrungsquellen für unsere Lieblinge angebaut, wie dicke Lavendelbüsche und einen grossen Sommerflieder (Buddleija davidii), auch als "Schmetterlings-Strauch" bekannt. Denn vor allem die Tagfalter stärken sich gerne an duftenden, nektarreichen Blüten, und so haben wir unsere Flattermänner stets parat - direkt vor der Haustür. Besonders im Sommer und im Herbst, wenn die Blütenpracht in freier Wildbahn deutlich nachgelassen hat, tummeln sich ganze Heerscharen von Faltern um unser Haus. Ein ständiges Kommen und Gehen in der "Stammkneipe" zum Adlernst, da kann keiner widerstehen.


Schmetterlinge in der Sierra Cazorla Segura y Las Villas

Osterluzeifalter - Zerynthia rumina
Osterluzeifalter

Typisch mediterran ist der Osterluzeifalter Zerynthia rumina, ein echter Frühjahrs-flieger, dessen Raupe sich von der Osterluzei (Aristolochia-Arten) ernährt. Wegen seiner auffallenden, grellbunten Färbung nennen die Spanier ihn Arlequin. Er überwintert als Puppe und erscheint bei uns ab Februar/März, und fliegt in einer recht langen Generation bis in den Sommer hinein.

Der Osterluzeifalter liebt warme, trockene Plätze und ist, bis auf den Nordwesten (Galizien) auf der gesamten Iberischen Halbinsel gut vertreten, von der Küste bis in die Sierras auf knapp 2000 m.



Aurorafalter - Anthocharis belia
Südlicher Aurorafalter

Ebenfalls nur im Frühjahr, und ebenfalls nur in einer Generation, fliegt die südliche Version des Aurorafalter Anthocharis belia. Ähnlich wie die mitteleuropäischen Verwandten, ernährt sich seine Raupe von Kreuzblütlern, vorwiegend Cardamine- und Biscutella- Arten.

Die Aurorafalter halten eine ziemlich lange Puppenruhe. Nach der Eiablage im Frühling entwickeln sich die Raupen recht schnell, verpuppen sich und verbleiben in diesem Stadium bis ins nächste Frühjahr.


Postillon - Colias crocea
Wandergelbling / Postillon

Für Nichteingeweihte, und manchmal selbst für Fachleute, auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden ist die Gruppe der Gelblinge oder Heufalter aus der Gattung Colias. Auch das Vorkommen der rund 1 Dutzend Arten in Europa lässt sich nur schwer abgrenzen, da diese Gattung für ihren regen Wandertrieb bekannt ist. Im Gebiet Cazorla-Segura-Las Villas kommen vor allem drei Arten mehr oder weniger bodenständig vor: Der Wandergelbling oder Postillon Colias crocea, die Goldene Acht Colias hyale und der Alfalfa-Falter Colias australis.

Die Falter fliegen in mehreren Generationen ab April bis in den Spätherbst hinein. Die Raupen leben an Schmetterlingsblütlern (Leguminosen), vorwiegend Klee-Arten wie Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) oder die oft als Viehfutter angebaute Luzerne = Alfalfa (Medicago sativa).


Erdbeerbaumfalter - Charaxes jasius
Erdbeerbaumfalter

Blauschwarzer Eisvogel - Limenitis reducta
Blauschwarzer Eisvogel

Der prächtige, grosse Erdbeerbaumfalter Charaxes jasius und der dunkel-samtig schimmernde Blauschwarze Eisvogel Limenitis reducta sind die Charakterarten der Flusstäler im Naturpark Cazorla-Segura-Las Villas.

Ersterer lebt, wie der Name vermuten lässt, als Raupe ausschliesslich am Erdbeerbaum (Arbutus unedo). Die Falter sieht man nie an Blüten, sie ziehen etwas unappetitlichere Nahrungsquellen vor wie verwesende Tierkadaver oder frische Exkremente. Der "Pascha", wie die Spanier ihn nennen, bleibt seinem Standort treu und verlässt nur selten sein Brutgebiet im Flusstal.

Der Blauschwarze Eisvogel, hierzulande "Ninfa de arroyos" = Bach-Nymphe genannt, dreht dagegen gerne und ausgiebig seine Runden, und schaut gelegentlich auch mal kurz bei uns am Adlernest vorbei. Seine Raupe frisst verschiedene Geissblatt- (Lonicera) Arten.

Beide Schmetterlinge fliegen in zwei Generationen, im April und Mai sowie nochmals im August und September. Ein absolut sicherer Platz für den Erdbeerbaumfalter ist das Tal des Rio Borosa - Sie müssen nur zur richtigen Zeit dort hin.


Kaisermantel - Argynnis paphia
Kaisermantel

Sehr stark vertreten in der gesamten Sierra sind die Perlmutterfalter und die ähnlichen Scheckenfalter, zusammengenommen bilden sie eine grosse Gruppe von europaweit etwa 50 Arten, die sich für den Laien nur wenig unterscheiden. Aber das soll der Freude an diesen munteren Fliegern keinen Abbruch tun.

Die Grundfarbe der Oberseite ist Braun in allen Tönungen, vom stumpfen Graubraun bis zum leuchtenden Rehbraun, wie hier beim Kaisermantel Argynnis paphia, und immer durchsetzt von einer mehr oder weniger kräftigen schwarzen Punkt- und Strichzeichnung. Die Perlmutterfalter weisen auf der Unterseite der Hinterflügel kleine, wie Perlmutt schimmernde Flecken auf (Name !), bei den Scheckenfaltern dagegen fehlen diese Flecken.

Die auffälligsten Arten in der Sierra Las Villas sind, neben dem Kaisermantel, der sehr ähnliche Grosse Perlmutterfalter Mesoacidalia aglaja und der prächtige Kardinal oder spanisch Pandora Pandoriana pandora. Der Kardinal ist auf der Oberseite der Hinterflügel graugrün übergossen, die Unterseite der Vorderflügel ist leuchtend rot. Daran erkennt ein geübtes Auge ihn schon von weitem.


Schwalbenschwanz - Papilio machaon
Schwalbenschwanz

Segelfalter - Iphiclides podalirius
Segelfalter

Die "Stars der Show" schliesslich wollen wir Ihnen auch nicht vorenthalten: Sowohl der Schwalbenschwanz Papilio machaon als auch sein enger Verwandter, der Segelfalter Iphiclides podalirius, beides stattliche und majestätische Flieger, sind regelmässige Gäste in unserer "Schmetterlings-Kneipe" an der Buddleija. Und das den ganzen Sommer über, bis in den Oktober hinein.

Oft sitzen von beiden Arten mehrere Exemplare gleichzeitig auf den süss duftenden, violetten Blütenkerzen des Sommerflieders, gemeinsam mit den anderen "Stammgästen" wie Weisslinge, Gelblinge, Distelfalter und Admiral, Kaisermantel und Kardinal, und einer Unmenge von "Kleinzeug". Bisheriger Rekordwert bei einer Bestandsaufnahme zur Hochsaison waren einmal rund 40 verschiedene Arten zur gleichen Zeit, verteilt auf die Buddleija und den Lavendel. DAS ELDORADO für Entomologen.


Brombeer-Zipfelfalter - Callophrys rubi
Brombeer-Zipfelfalter

Idas-Bläuling - Lycaeides idas
Idas-Bläuling

Europaweit rund 100 Arten umfasst die Familie der Bläulinge, Feuerfalter und Zipfelfalter, meist kleine bis winzige Schmetterlinge, die in Farbenpracht ihren grösseren Vettern in nichts nachstehen. Während die Weibchen oft unscheinbares Braun tragen, schillern die Männchen in buntester Metallic-Lackierung.

Die einzelnen Arten sicher zu unterscheiden, können Sie getrost den Spezialisten überlassen - wenn es Sie beruhigt: hier muss auch ich oft genug die Segel streichen, trotz Stapeln von Fachliteratur.



Nachtpfauenauge - Saturnia pyri
Grosses Nachtpfauenauge

Nachtgespenster
Wenn schon die Tagfalter mit über 350 Arten nahezu unüberschaubar sind, so wird es bei den Nachtfaltern nicht gerade besser, denn deren Zahl geht in die Tausende. Da gibt es Schwärmer, Spinner, Eulen und Bären - und alles das, was man gemeinhin als "Motten" abtut.

Im Gebiet Cazorla-Segura-Las Villas wimmelt es nur so von diesen Nachtgespenstern. Aus der Familie der Pfauenspinner (Saturniden) stammen ein paar äusserst attraktive Nachtfalter wie das Grosse oder Wiener Nachtpfauenauge Saturnia pyri, mit bis zu 17 cm Spannweite der grösste Schmetterling Europas. Im Bild rechts eine Paarung, aufgenommen vor unserer Haustür.

Leider steht mir bisher kein Foto vom Spanischen Nachtpfauenauge Graellsia isabellae zur Verfügung - aber vielleicht schaffen Sie das ja, wenn Sie mal bei uns am Adlernest auf die Pirsch gehen.