Naturpark Sierra de Las Villas

Amphibien & Reptilien - die Herpetofauna im
Naturpark Sierras de Cazorla Segura y Las Villas



Als Herpetofauna bezeichnet der Biologe den Bestand an Amphibien und Reptilien eines Gebietes.
Spanien ist nicht unbedingt ein ausgesprochenes Amphibien- und Reptilien- Land, was die
Artenvielfalt betrifft, doch die vorhandenen Arten sind zahlenmässig gut vertreten.




Feuersalamander Sierra de Cazorla
Feuersalamander

In der Sierra de Cazorla Segura y Las Villas jedenfalls
wimmelt es von Kröten, Schlangen und Eidechsen


Ja - und sogar den Feuersalamander gibt es hier. Wer hätte das gedacht - im trockenen Süden Spaniens! Auch ich staunte nicht schlecht, als mir in meinem ersten Sierra-Jahr an einem leicht regnerischen Herbstabend gleich ein rundes Dutzend davon vor den Füssen herumkrabbelte. Mittlerweile weiss ich, dass das kein Ausnahmefall war und der Feuersalamander hier alles andere als eine Rarität darstellt.

Feuersalamander - Larve
Feuersalamander Larve

Im Gegenteil: im Frühjahr findet man kaum ein Quellenbecken, das nicht von Salamander-Larven besiedelt wird, oft tummeln sich mehrere Dutzend im frischen, kalten Quellwasser. Aber sie müssen sich beeilen, denn die kleineren temporären Gewässer versiegen im Lauf des Sommers, was für die Jungtiere bedeutet, dass sie schlicht und einfach vertrocknen, wenn sie es bis dahin nicht geschafft haben, auf "Landbetrieb" umzustellen.

Die Larven des Feuersalamanders sind als Kiemenatmer streng an das Leben unter Wasser gebunden. Erst kurz vor dem Landgang verwandelt sich der Atmungsapparat und stellt um auf Lungenbetrieb. Danach gehen die Tiere nie wieder ins Wasser, sie verlieren auch die Fähigkeit zu schwimmen und können sogar ertrinken, wenn sie in schnell fliessendes Wasser geraten. Sie werden regelrecht wasserscheu.

Sierra de Cazorla Molchlarve
Das Ei eines Molches aus
der Gattung Triturus
mit der fertig
entwickelten Larve

Während die Salamander sich mehr oder weniger vom Wasser verabschiedet haben, und es nur noch brauchen, um ihre Eier bzw. Larven abzusetzen, haben die Molche den Wechsel vom Wasser- zum Landleben noch nicht so konsequent vollzogen. Sie suchen alljährlich zur Paarungszeit ihre Laichgewässer auf und kehren für einige Zeit wieder vollkommen zur aquatischen Lebensweise zurück.


Vermutlich sind nur diese 3 Arten von Schwanzlurchen (Caudata) im Naturpark
Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas vorhanden:

Feuersalamander - Salamandra salamandra

Spanischer Rippenmolch - Pleurodeles waltl

Marmormolch - Triturus marmoratus



Frösche und Kröten - Froschlurche (Anura)

Auch die echten Kröten führen ein überwiegend verborgenes Landleben, wobei sie sich oft kilometerweit vom Laichgewässer entfernen. Durch ihre ledrige Haut sind sie, innerhalb gewisser Grenzen, besser vor Austrocknung geschützt als die Schwanzlurche, und so sieht man sie den ganzen Sommer über in der abendlichen Dämmerung auf die Pirsch gehen, ständig auf der Suche nach Käfern, Würmern und Schnecken. Riesig werden ältere Erdkröten (Bufo bufo), die in der südlichen Variante eine Kopf-Rumpf-Länge von 25 cm und mehr erreichen können.

Kreuzkröte Bufo calamita
Kreuzkröte Bufo calamita

Wahre Giganten also - wie unsere alte "Brunhilde", die jahrelang den Gemüsegarten vom Adlernest bewohnte, und es sogar auf gute 30 cm brachte.

Die Kreuzkröte (Bufo calamita) dagegen bleibt beim üblichen Format von 8 bis 9 cm. Charakteristisch ist der schmale, gelbliche Streifen entlang des Rückgrates und ihre laufende Fortbewegungsweise. Die Spanier nennen sie deshalb Sapo corredor, was soviel wie "Laufkröte" bedeutet.

In relativer Gewässernähe ist der "Glockenfrosch" häufig anzutreffen in der ganzen Sierra de Cazorla: die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), auch wenn man sie selten sieht. Dafür sind die Paarungsrufe vom zeitigen Frühjahr bis in den Sommer hinein zu hören, sie klingen wie feine, leise silberne Glöckchen von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen. Die Geburtshelferkröte ist ausschliesslich nachtaktiv, und die einzige Art, die so etwas wie Brutpflege betreibt: Nach der Paarung wickelt sich das Männchen die Laichschnüre um die Hinterbeine und trägt sie mit sich, bis die winzigen Kaulquappen aus den Eiern schlüpfen. Erst dann suchen sie das Wasser auf.

Eher Unken-ähnlich ist der Schlammtaucher (Pelodytes punctatus), der nicht nur die Bachränder bewohnt, sondern oft auch grössere lehmige Pfützen, wo er sich bei herannahender Gefahr durch einen Sprung ins Wasser rettet und sich dort im schlammigen Grund einbuddelt.

Kaulquappe
Kaulquappe aus der
Gattung Rana

Die ruhigeren Gewässerzonen der Bäche und kleinen Flüsse werden von einer Unmenge von Kaulquappen besiedelt. Hierbei handelt es sich um die Larven der Krötenfrösche und der Echten Frösche, wobei die Zuordnung nicht immer einfach ist. Angegeben für das Cazorla-Gebiet sind Messerfuss (Pelobates cultriceps) und Gemalter Scheibenzüngler (Discoglossus pictus) für die Krötenfrösche, und der Spanische Wasserfrosch (Rana perezi) für die Rana-Gruppe, wobei sich alle durch eine sehr variable Färbung auszeichnen.

Teichfrosch Rana-Gruppe

Da wir keine Frösche sezieren, verlassen wir uns einfach mal auf die Fachliteratur - mir persönlich ist in diesem Fall die exakte wissenschaftliche Bezeichnung egal, und ich denke, auch die Frösche haben keinerlei Problem damit.

Gepanzerte Urviecher - die Schildkröten (Testudines)

Sumpfschildkröte Mauremys leprosa Sierra Cazorla
Spanische
Sumpfschildkröte

An Schildkröten kommt im ganzen Naturpark Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas nur eine einzige Art vor. Für die extrem wärmebedürftigen Landschildkröten, die Sie vielleicht von der Küstenregion (Almería, Granada, Málaga) her kennen, dürften wohl einfach die Winter hier oben zu lang und zu kalt sein, auch wenn sie im Sommer (eventuell) ihr Auskommen finden würden.

Auch die Spanische Sumpfschildkröte (Mauremys leprosa) liebt die Wärme, hat aber die Fähigkeit entwickelt, ungünstige Perioden am Grunde des Gewässers, vergraben im Schlamm, unbeschadet zu überdauern, selbst wenn die Wasseroberfläche zufrieren sollte (was gelegentlich vorkommt!).

Sie lebt an ruhig fliessenden, tieferen Abschnitten von Flüssen und grösseren Bachläufen mit üppiger Ufervegetation und genügend Verstecken wie freiliegendem Wurzelwerk, sowie mit flachen Felsbrocken und überhängenden Baumstämmen, auf denen sie ihre ausgiebigen Sonnenbäder abhält. Droht Gefahr, lässt sie sich mit lautem Platsch von dort einfach ins Wasser fallen.


Echsen und Schleichen (Squamata)

Perleidechse Lacerta lepida Sierra de Cazorla
Perleidechse Foto: Hans-Rudolf Gahn
(Heissen Dank, Rudi !!)

In dieser "Gewichtsklasse" sind die Perleidechsen (Lacerta lepida) unsere unbestrittenen Superstars. Exemplare von 60 cm Länge (und darüber) sind keine Seltenheit. Bei uns am Adlernest gehören sie schon fast zur Familie, spazieren ungeniert über die Veranda, und ganz dreiste Kameraden plündern, wenn keiner hinkuckt, sogar den Esstisch. Bevorzugte Beute sind dabei frische Früchte wie Erdbeeren oder die kleinen Kirschtomaten. Von wegen nur jagen. Das tun sie natürlich auch, und zwar alles, was nur in den Schlund reinpasst. Eine Perleidechse schreckt dabei auch vor den eigenen Nachkommen nicht zurück - und einen besonders verwegenen "Macho" erwischte ich einmal beim Verspeisen einer Spitzmaus. Am Stück, mit Haut und Haar.

Spanischer Sandläufer Sierra de Cazorla
Spanischer Sandläufer

Genauso räuberisch geht es bei den kleineren Eidechsen zu, nur dass die Beute entsprechend handlicher dimensioniert ist. Hier sind die Opfer vorwiegend Würmer, Schnecken, Heuschrecken und Käfer. Der Spanische Sandläufer (Psammodromus hispanicus) und der Algerische Sandläufer (Psammodromus algirus)



hier wird noch gearbeitet. Was noch kommt, sehen Sie in den folgenden Listen


Echsen und Schleichen (Squamata)

Halbfinger-Gecko - Hemidactylus turcicus

Mauergecko - Tarentola mauretanica

Spanische Kieleidechse - Algyroides marchi

Perleidechse - Lacerta lepida

Spanische Mauereidechse - Podarcis hispanica

Algerischer Sandläufer - Psammodromus algirus

Spanischer Sandläufer - Psammodromus hispanicus

Keine Angst vor Schlangen (Serpentes)

Hufeisennatter - Coluber hippocrepis

Girondische Schlingnatter - Coronella girondica

Treppennatter - Elaphe scalaris

Eidechsennatter - Malpolon monspessulanus

Wassernatter - Natrix maura

Ringelnatter - Natrix natrix

Stülpnasenotter - Vipera latastii